„Ziel ist es, so vielen Menschen wie möglich zu helfen!“
Während andere Studenten über ihren Büchern hocken und für ihre Klausuren pauken, bereichert Kai Kajus Noack mit seinen Ideen das Internet. Seit Jahren arbeitet er an verschiedenen Online-Projekten. Unter anderem veröffentlicht er auf seiner Website www.EchtEinfach.tv zahlreiche Mathe-Videos und Applikationen im Stile eines Online-Tutoriums.
Vor einiger Zeit hat er damit begonnen, eine Erste-Hilfe-Software fürs Handy zu programmieren, die man sich inzwischen kostenlos unter www.FirstAi.de runterladen kann. Die Software enthält Anleitungen und Animationen zu über 50 verschiedenen Notfallsituationen. In Fällen von Herzinfarkten, Schlangenbissen und sogar im Falle einer Geburt kann sie sehr hilfreich sein. Bis heute nutzen weltweit über 50.000 Menschen diese Software. Das alles macht Kai in seiner Freizeit. Er studiert nämlich noch und arbeitet, um sich das Studium zu finanzieren, als Nachhilfelehrer. Gerade schreibt er an seiner Masterarbeit.
BF: Hallo Kai. Du hast mit deinen noch jungen 26 Jahren ja schon einige sehr hilfreiche Websites ins Netz gestellt und studierst außerdem Medieninformatik. Wie hat dein Interesse für die Informatik eigentlich mal angefangen?
K.K. Noack: Spielerisch! Als ich klein war, brachte mein Vater einen Computer nach Hause. Das Laufwerk funktionierte noch mit Kassetten und das Laden eines Minispiels dauerte schon mal eine Stunde! Später fing ich dann an, kleine Animationen zu bauen und Musik zu machen. Soweit es die Technik damals zuließ.
BF: Und wann hast du deine erste Website erstellt?
K.K. Noack: Gute Frage, ich kann mich wirklich nicht daran erinnern. Wahrscheinlich war ich damals etwa 20. Das war eine Art persönliche Homepage mit einer Galerie, einem Forum etc.
BF: So etwas nimmt wahrscheinlich auch eine ganze Menge Freizeit in Anspruch.
K.K. Noack: Allerdings. Bis heute habe ich über 1100 Stunden allein in das Lernvideo- und das Erste-Hilfe-Projekt gesteckt.
BF: Hast du denn die Erste-Hilfe-Software ganz allein programmiert oder hast du dabei auch Hilfe gehabt?
K.K. Noack: Die Informationen habe ich über einen längeren Zeitraum selbst recherchiert und sie dann mit Sanitätern und Ärzten abgestimmt. Die nötigen medizinischen Abbildungen wurden mir von Herrn Dr. Strasser zur Verfügung gestellt. Dann habe ich die Software in Deutsch und Englisch programmiert und die weiteren Übersetzungen in Französisch, Litauisch und Vietnamesisch wurden von Freiwilligen angefertigt.
BF: Und was erhoffst du dir in Zukunft für die Software?
K.K. Noack: Ich hoffe sehr, dass die Software bald in noch mehr Sprachen zur Verfügung steht. Deshalb bin ich stets auf der Suche nach freiwilligen Übersetzern. Ziel ist es, so vielen Menschen wie möglich zu helfen. Außerdem glaube ich, es wäre sinnvoll, solch ein Erste-Hilfe-Programm auf jedem Handy standardgemäß zu installieren.
BF: Auf deiner Website www.lernvideos.blogspot.com findet man hauptsächlich Mathevideos. Warum ausgerechnet Mathe, warum nicht Englisch oder Ähnliches?
K.K. Noack: Natürlich habe ich immer ein offenes Ohr für Wissenswünsche, deshalb gibt es auf der Homepage auch die Rubrik „Wunschvideos“. Allerdings weiß ich aus Erfahrung, dass Mathe in der 9. oder 10. Klasse nicht besonders verständlich erscheint. Dort wird mit Formeln um sich geworfen, die man oberflächlich auswendig lernen muss, ohne zu verstehen, warum sie funktionieren. So hoffte auch ich damals bei jeder Klassenarbeit, einigermaßen durchzukommen.
BF: Und wie hat sich das geändert?
K.K. Noack: Als ich meine Fachhochschulreife nachholte, hatte ich Glück mit der Lehrerin. Sie besaß die Fähigkeit, sehr gut zu erklären, sodass ich ihre Gedankengänge gut nachvollziehen konnte. Das half mir und gab mir Motivation, sodass letztendlich sogar eine 1 auf meinem Zeugnis stand.
Das Interview führte Philipp Kay Köppen.
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